Form kommt, Form geht

45 und 5:09 sind die Zahlen des Tages.

Nein, es sind nicht Psalme aus der Bibel. Ich bin gerade 45 Minuten mit ein 5:09 Schnitt pro Kilometer von der Arbeit nach Hause gelaufen. Aber warum sind die Zahlen so besonders? Dazu muss ich etwas ausholen.

Heute Morgen habe ich mal wieder im Blog von Jan Peiniger Pushing-Limits.de gelesen. Auf Jans Blog bin ich vor 1,5 Jahren aufmerksam geworden. Ich kann jedem diesen Blog nur empfehlen.

Jan ist technikbegeistert wie ich, seine Leistungen im Laufen, Schwimmen und Rad fahren sind den meinen sehr ähnlich. Und zu guter Letzt, wir haben mit Carlos den gleichen Trainer. Ich kann also seine Blogeinträge in der Regel gut nach vollziehen.

In seinem letzten Eintrag beschreibt er eine Situation, die ich nur zu gut kenne. Ohne Wettkampf trainiert man vor sich hin und hat keine Ahnung, wo man mit seiner Form steht. Da bietet es sich an, einige Trainingswettkämpfe einzuplanen, um einfach mal ein Form-Update zu bekommen. Jan hat dieses Jahr eine Winterlaufserie gewählt, dabei absolviert man alle 4 Wochen einen Wettkampf. Erst einen 10km, dann einen 15km und zu guter Letzt einen 21km Wettkampf. Im letzten Eintrag hat er gerade seine 15km PB pulverisiert und mit deutlich unter 1h eine echt gute Leistung hingelegt. Seine These, es ist gut, regelmäßig einen Wettkampf einzuplanen, damit man einen Formcheck hat.

Was hat das Ganze aber mit mir zu tun?

Ich möchte hier einfach mal die andere Seite der Medaille andeuten. Ich selbst habe im letzten Jahr beim Halbmarathon in Frankfurt mit 1:23:xx eine neue persönliche Bestzeit auf der Strecke absolviert. Bereits vor dem Wettkampf wusste ich, dass ich gut in Form bin. D.h., ich arbeite genauso wie Jan mit Trainigswettkämpfen um zu sehen wo ich stehe.

Ebenso war ich vor dem Highlight aus 2015 gut in Form. Im Vorfeld des Ironman Wales habe ich 8 Wochen langen jeden Freitag lange Läufe mit Endbeschleunigung absolviert. In der Spitze waren das 33km, wobei ich die letzten km schnell gelaufen bin. Insgesamt bin ich bei der letzten Einheit die 33km in 4:37 gelaufen, wobei ich bis km ca. 4:50-5:00 schnell war und die letzten 15km dann auf ca. 4:20 beschleunigt habe. In Wales hat mich dieses zu einer Laufzeit von 3:18:25 gebracht, das entspricht einem Schnitt von ca. 4:42 pro km. Das Ganze bei einer anspruchsvollen Strecke mit 600hm. Ich denke einen Solo-Marathon wäre ich unter 3h gelaufen.

Jetzt sind 5 Monaten vergangen. Ich wiege 6kg mehr (76kg bei 1,76m und „schmaler Figur“) und bin erst seit 3 Wochen im Training. Als ich heute 45 Minuten gelaufen bin, war das definitiv Training. Wie gesagt war mein Schnitt 5:09, was Meilenweit von meiner damaligen Leistung entfernt ist. Und das ist völlig normal zu diesem Zeitpunkt der Saison. Wenn ich in den Trainingsbüchern der Vergangenheit suche, sind die ersten Wochen des Wiedereinstieg geprägt durch GA-Läufe mit 5:10-:20 Schnitt. Anfangs hat mich das noch beunruhigt, aber inzwischen weiß ich, das ist normal. Jetzt komme ich aber nochmal auf die Idee von Jan zurück sich Trainingswettkämpfe einzubauen.

Die Gefahr, die besteht, ist, dass man sich demotiviert, weil man eventuell weit von den ursprünglichen Zeiten entfernt ist. Nicht immer wird man eine neue PB aufstellen. Weiß man aber um diese Situation, dann bin ich 100% auf Jans Seite. Wettkämpfe in der Saison können dich motivieren und dir zeigen, dass das Training anschlägt aber nur unter 2 Voraussetzungen:

  1. Nicht zu früh mit den Wettkämpfen beginnen, bzw. die Erwartungen realistisch einschätzen. Jan ist bereits seit 3 Monaten wieder im Training, also hat er definitiv Form. Wenn ich in zwei Wochen den Halbmarathon in Frankfurt laufe, dann habe ich 5 Wochen strukturiertes Training in den Beinen. Ich bin froh, wenn ich unter 1:30h bleiben werde.
  2. Nicht enttäuscht sein, wenn die Leistung nicht so gut ist. Sondern ganz realistisch analysieren was der Grund ist. Stimmt das Training? Dann war es einfach Pech. In dem Fall Krone richten und wieder aufstehen. Hab ich in letzter Zeit im Training geschludert? Dann ist das vielleicht der richtige Weckruf um was zu ändern. Was der wahre Grund ist könnt ihr nur selbst beantworten.

Ich würde mich freuen, wenn diese Gedanken einigen als Anregung dienen und beruhigen, wenn es mal nicht so läuft. Entscheidend ist es nicht in einem B oder C Wettkampf Leistung zu bringen, sondern an Tag X. Den Tag des A Wettkampf.

In diesem Sinne

Keep calm & carry on

Euer Orange Hat