Wie habe ich mich eigentlich für Hawaii qualifiziert? Ein Rückblick

Ein Rückblick darauf, wie ich mich letztes Jahr für  Hawaii 2016 qualifiziert habe.

„The best hat in race“

Noch eine Linkskurve, ein letztes Mal anstrengen, dann ist es geschafft: Ich laufe durchs Ziel des IRONMAN Wales. Allein das ist ein Erfolg nach zehn Stunden Schwimmen, Radfahren und Laufen. Doch eine noch viel größere Überraschung erwartet mich im Ziel.

Doch fangen wir von vorne an: Bereits um kurz drei bin ich wach und halte es nicht mehr aus – heute ist IRONMAN-Tag. Nachdem alles vorbereitet ist, gehen wir, das heißt 2.000 Sportler, zum Schwimmstart.

3,8 Kilometer Schwimmen

In Wales geht es über eine Rampe, die sich die Klippe hochschlängelt, ans Wasser. Der Weg von der ersten Wechselzone zum Strand ist atemberaubend: Die ganze Stadt ist mit jubelnden Menschen gefüllt, die jeden Sportler anfeuern. Die Walisische Nationalhymne dröhnt aus den Lautsprechern.

In Dreierreihen gehen die Sportler ins Meer, ein sogenannter „Rolling-Swimstart“. Das hat den Vorteil, dass es weniger Prügelei im Wasser gibt, und die Lifeguards haben es leichter, für die Sicherheit zu sorgen. Trotzdem – ein Massenstart ist einfach archaisch: 2.000 Leiber, die dicht an dicht durchs Wasser pflügen.

Nach den ersten 200 Metern kommen die Wellen, die sich nach der ersten Boje noch verstärken. Nur nicht vom Kurs abkommen, ist das Motto, was bei dem ständigen Auf und Ab der Wellen gar nicht so einfach ist.

Das Schwimmen überstehe ich ganz gut. Die Zeit von rund einer Stunde sind offensichtlich gut, denn in der Wechselzone warten noch viele Räder. Ich bin zufrieden.

180 Kilometer Radfahren

Jetzt kommt der spaßige Teil – raus aus den Klamotten, rein in die Klamotten und rauf aufs Rad. Es geht durch das landschaftlich schöne Pembrokeshire. Unglaublich, in jedem Dorf, an jeder Farm mitten im Nirgendwo und jedem Zeltplatz stehen die Zuschauer. Sie klatschen über Stunden uns Athleten zu.

Die ersten Kilometer rauschen an mir vorbei, noch fühlen sich die Beine ganz leicht an. Schnell habe ich einen Belgier als Pacemaker ausgemacht, den ich eine Zeit lang begleite. Es folgt Kilometer um Kilometer und Anstieg um Anstieg. Am Wegesrand sehe ich zwei Jungs. Sie haben ein Sofa mit der Traktorgabel hochgehoben und beobachten die Sportler von oben.

Der absolute Höhepunkt – nicht nur sportlich – ist der Heartbreak Hill vor Tenby. Durch die knackigen Steigungen und Kurven wirken die Menschenmassen viel näher. Jetzt sind die Wattwerte egal, wir Sportler richten uns auf und klatschen zusammen mit den Zuschauern. Von diesem Enthusiasmus können wir Deutschen echt was lernen.

Die Zielgerade geht 500 Meter gerade aus – auch hier Zuschauer über Zuschauer. Ihr Jubel trägt mich zur zweiten Wechselzone. Dort springe ich elegant vom Rad und laufe wie ein „Elefant auf rohen Eiern“ zum Wechselzelt. Beim Laufen kommt nun mein orangener Hut zum Einsatz.

42,2 Kilometer Laufen

Die Kommentare auf der Strecke kommen prompt: „I like your hat“, „See the orange hat“ und „The coolest hat in race“ – wenn das nicht motiviert. Allerdings Tempo machen ist beim IRONMAN Wales fast nicht möglich: Im ständigen Wechsel geht es rauf, runter, links, rechts, wieder rauf, wieder runter, rechts, links und so weiter. Es ist kaum glauben, es sind tatsächlich 42,2 Kilometer, die Distanz eines Marathons.

Zunächst gibt es leider keine Informationen zu den Platzierungen. Von meinem tollen Support-Team erfahre ich dann: Ich bin auf Platz fünf. Vor mir läuft ein Konkurrent, der beim Radfahren wirklich stark war. Den will ich mir noch schnappen. Dieses Ziel beflügelt meine Beine. Noch besser läuft es, als mir bewusst wird: Ich bin auf Hawaii-Kurs.

Den Konkurrenten lasse ich hinter mir. Die letzten Kräfte werden mobilisiert. Gerade auf den letzten Metern kann noch viel passieren. Mein Support, bestehend aus Trainer und Freundin, sind jetzt wichtiger denn je. Am Ende der dritten Runde erfahre ich: Ich bin Vierter. Yeah!

Mit der deutschen und walisischen Flagge laufe ich durchs Ziel. Paul Kaye, nicht der britische  Schauspieler ;), begrüßt mich mit den Worten: „The best hat in Race!“ und sagt, ich bin Dritter! Moment mal, höre ich richtig, Dritter? Er bestätigt: Ja, Dritter!

Aufs Treppchen mit der Zeit 10:13:xx ist ein sagenhaftes Gefühl. Der IRONMAN Hawaii erwartet mich.

Eurer Orange Hat

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