PB, „schneller“ als Flo Neuschwander und Stress pur

Ein ganz besonderer Tag. Ich bin eine neue PB in Frankfurt auf dem Halbmarathon gelaufen, war „schneller“ als Florian Neuschwander und habe gelernt, dass man einfach locker bleiben muss, wenn man einen Fehler macht. Aber fangen wir vorne an.

Anfang März richtet Spiridon den Frankfurter Halbmarathon aus. Ein fester Bestandteil im Laufkalender von vielen Läufern aus dem Rhein Main Gebiet.

Für die Marathonläufer ist es der ideale Formtest, bevor im April/Mai die Frühjahrsmarathons statt finden. Für die Triathleten ist es der ideale Zeitpunkt ebenfalls eine finalen Laufformtest zu machen und zwar bevor die langen Radeinheiten das Wochenende bestimmen. Zumindest ist es auffällig wie viele Triathleten inzwischen am Start sind. Triathlon ist einfach ein Volkssport geworden.

Auch ich Reihe mich in die Gruppe der Triathleten ein. Nach dem erfolgreichen Test in Langen auf der 10km Strecke, soll jetzt die Bestzeit auf dem HM folgen.

Die Bedingungen sind ideal. Die Sonne scheint, es sind ca. 12 Grad und kaum Wind. O.k. am Wetter wird es heute nicht liegen.
Da ich inzwischen in Sachsenhausen wohne sollte es genügen, wenn ich kurz vor 9 Uhr rüber fahre. Dachte ich. Aber das Ganze lief anders als geplant. Erst finde ich nicht mein Schlüssel für das Radschloss, also steige ich spontan ins Auto.

Auf dem Parkplatz wird schon ausreichend Platz sein, immerhin passen ins Waldstadion (achne. Commerzbank-Arena) 60.000 Zuschauer, da wird es ja kein Thema sein für ein paar tausend Läufer ausreichend Parkplätze zu haben.

Denke ich.

Bis zum Kreisel läuft es auch noch und 9.10 Uhr ist noch voll in der Zeit. Aber dann…. Plötzlich stehe ich in einem Rückstau vom Parkplatz.

Die Zeit verrinnt und ich werde immer nervöser. Meine versuche über Kumpels und dem Triathlon Team Fechenheim Chat jemanden zu organisieren, der zumindest meine Startnummer abholt scheitern. FU… Wäre ich mal früher losgefahren.
Als um 9:30 Uhr die Schlange sich auf einmal relativ schnell bewegt, ist mir klar. Der Parkplatz ist voll. Glücklicherweise helfen mir meine Ortskenntnisse und ich finde einen Parkplatz ca. 1km vom Stadion entfernt. Aber das war Glück. Merke für das nächste Mal. ALLES AM VORTAG VORBEREITEN!

Das Einlaufen erfolgt auf dem Weg zum Stadion und auch die Startnummer bekomme ich recht schnell, so stehe ich also um 9:40 im Startbereich und bin wieder entspannt. Aber gebraucht hätte ich den Stress wirklich nicht. Da ich nicht der einzige war, der so spät angekommen ist, wird der Start kurzerhand um 10 Minuten nach hinten gelegt. Das klingt zwar simpel, aber ich denke für den Veranstalter ist das nicht einfach, immerhin gibt es Straßensperren und alles, die auch angepasst werden müssen.

O.k. JETZT GEHTS LOS. Der Startschuss fällt und ich suche meinen Rhythmus auf den ersten Kilometern, es läuft locker aus den Füßen und die ersten km laufe ich knapp unter 4 Minuten. Ich suche mir immer wieder Läufer an die ich mich anhängen kann und versuche an den windanfälligen Stellen in einer kleinen Gruppe zu sein.

-Was mir auch ganz gut gelingt-

Meine heutige Taktik ist von km zu km zu denken. Das heißt, Zeit stoppen und Tempo überprüfen. Mit knapp unter 4 Minuten ist es ein Tempo was sich schon anstrengend anfüllt und zwar von Beginn an. Mein heutiges Mantra ist: „Es ist alles Kopfsache“

Ich habe nie richtig verstanden, wenn alle gesagt haben „Ein Rennen wird im Kopf entschieden“

Hallo. Die Beine Laufen und nicht der Kopf, aber nach einigen Trainingsjahren ist mir klar geworden was gemeint ist. Der Körper bremst, wenn es weh tut. Das macht ja auch Sinn, immerhin gibt es keine Gefahr. Zumindest bei meinem Wettkampf rennt mir kein Löwe hinterher, der mich fressen will. Also warum die letzten Reserven opfern.
Wer kennt das nicht, man kämpft und trotzdem ist es möglich den letzten Kilometer nochmal aufzudrehen. Ein Zeichen, dass immer noch Reserven da sind.

Ich spreche heute also regelmäßig zu mir selbst und bestätige mich, dass es nur Kopfsache ist. Die Beine schmerzen nicht wesentlich mehr als auf dem ersten Kilometer.
Ich gebe mir immer kleine Ziele, den nächsten km wieder unter 4 Minuten, an der Gruppe dran zu bleiben, auf den nächsten Athleten aufzulaufen, usw.

Eine weitere große Motivation steht bei km 12,5. Wie angekündigt sind Claudi und der Zeugwart vor Ort. Seit Jahren ein sicherer Support bei fast jedem Rennen. Das Orange des Triathlon Team Fechenheim erkenne ich von weitem. Der rote Kreis von Best Worscht ist die Bestätigung. Ich positioniere mich zum Fotoshooting, muss aber zugeben, von Laufstil ist keine Rede. (Deshalb habe ich den unteren Teil auch abgeschnitten 😉 )

Nach dem Motivationschub geht es an einer Zuschauergruppe vorbei, hier hole ich mir einige HIghFive ab und wieder geht ein Energieschub durch meinen Körper. Das Mantra „Es ist alles nur Kopfsache“ bestätigt sich.

Als nächste Motivation sehe ich bei km 16 Florian Neuschwander lediglich 300m vor mir. O.k. er macht offensichtlich Zugläufer, aber hey einmal einen Topläufer überholen, da ist es doch egal warum 😉

Und so kommt es auch, bei km 18 laufe ich, besser gesagt kämpfe ich mich vorbei. Mensch bin ich SUPER. Das er im Hintergrund locker mit seinem Schützling spricht und auch andere Läufer grüßt ignoriere ich. 😉 O.k. für ihn ist es maximal ein GA1 Lauf, aber für mich ist es all-out.

Ich laufe ohne Stil weiter, km um km wird geprüft. Es geht runter in den Tunnel, des Waldstadion. Die Uhr zeigt mir 1:22:3X. Fuck. Noch 100m. Ich versuche alles, denn es ist nur KOPFSACHE. Scheiß auf ein Grinsen beim Zieleinlauf. HEUTE WILL ICH UNTER 1:23:00 bleiben.

BÄÄÄÄMMM. MikaTiming bestätigt es, heute bin ich unter 1:23:00 geblieben. Eigentlich ist es egal, aber irgendwie fühlt es sich gut an. Thomas John von den Radonneurs fragt mich im Ziel „und wie war es“. EINFACH SUPER.

Ich habe heute viel gelernt.

  1. Planung ist wichtig
  2. Kleine Ziele setzen
  3. Es ist alles Kopfsache
  4. Auch einen Profi kann man als Hobbyathlet überholen 😉

In dem Sinne. Keep calm & Es ist alles nur Kopfsache
Euer Orange Hat

 

P.S: Tolle Bilder findet ihr hier: http://claudigivesitatri.de/2017/03/12/halbmarathon-frankfurt-2017/

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