Ironman 2017 Frankfurt

Jetzt ist es eine Woche her das ich zum 4. mal den Ironman Frankfurt gefinisht habe. Ich habe mir lange überlegt, wie ich den Bericht schreibe.  Ich möchte meine Eindrücke und Gefühle vermitteln, die ich im Rennen hatte. Kommt mit auf die Reise.

3:00 Uhr morgens. Jetzt ist sie da ,die Aufregung. Dieses Gefühl der Anspannung, so muss sich ein Pianist fühlen bevor er auf die Bühne geht.  Meine heutige Bühne wird Frankfurt sein.

4:30 Uhr Die Triathlon Abteilung der Eintracht hat für ihre Mitglieder ein speziellen Shuttelservice organisiert. D.h. ich brauche nicht mit den anderen Athleten im Bus sitzen. Die Anspannung steigt weiter an.  Atmen, Konzentration, Routine mit diesen drei Dinge bringe ich meine Anspannung unter Kontrolle. Dinge wie das visualisieren des Wechsel helfen mir dabei.

6:39 Uhr die Anspannung ist maximal! BOOOMMM – Das war der Startsschuss zum 4 Ironman
6:43 Uhr Es geht los.

Schwimmen
Alles fühlt sich leicht an. Ich schwimme auf Wettkampftempo, muss jeden zweiten Zug atmen, aber es fühlt sich gut an. Unspektakulär

Rad
Jetzt geht es los. Beine locker, Gefühl gut. Im Gegensatz zu den letzten Jahren ist an der Strecke gefühlt ziemlich viel los. Aber was ist das? Ich komme nach Hochstadt. Normalerweise sind gefühlt hunderte Menschen in der engen Gasse. Aber heute? Niemand da? Das setzt sich das ganze Rennen fort. Viele Zuschauer an der Strecke. Anwohner sitzen in ihren Hofeinfahrten. Frühstücken und genießen die Stimmung und feuern uns alle an. Wahnsinn. Auf der anderen Seiten die Hotspots. Gefühlt gerade mal 10% des üblichen Wahnsinn. Irgendwie seltsam, aber gut. Welche Gefühle durchlebt man auf dem Rad?

Am Anfang ist alles gut. Es fühlt sich leicht an, man muss eher aufpassen nicht zu überpacen. Dann aber, der Blick auf den Tacho, bin ich noch in meiner Wunschzeit? Ja, aber jetzt kommt der Hühnerberg, erste Sorgen. Fuck, kann ich es heute leisten? Nach weiteren Kilometern gibt man sich dem ganzen hin und konzentriert sich auf das wesentliche. Noch ist das Rennen nicht gelaufen. Durchhänger versuche ich mit meinem Mantra „Fokus, Fokus, Fokus“ zu überwinden, das gelingt mal besser mal schlechter. Dann wieder Aufwind. Die ersten 100km im 36 Schnitt, aber jetzt wird es schwer. Der Kopf wird leerer die Konzentration schwindet. Ich erwische mich immer wieder, dass ich nicht den gleichen Druck aufbaue wie auf der ersten Runde. Ist das Konzentration? Fehlendes Training? oder von beidem etwas? Letztendlich schaffe ich es ab 120km nicht die Konzentration aufrecht zu erhalten.  Und ehrlich gesagt, auch meine Muskeln fühlen sich leer an. Aber das ist normal zu diesem Zeitpunkt. Es kommen immer wieder Momente, bei den man sich überlegt einfach locker zu fahren, aber hier gilt es „Fokus, Fokus, Fokus“.

Achja und es gab eine Premiere. Die erste Zeitstrafe für Drafting, aber irgendwie hat mich das nicht geärgert, vielleicht war das symptomatisch. Bei voller Motivation wäre ich agressiv geworden, aber ich habe mir nur gedacht „Konzentration auf das Wesentliche“ es ist nichts verloren.

Laufen

Endlich ist es vorbei. Auf den ersten Metern  fühlt sich noch alles gut. Kleine Schritte, nicht schön, aber effektiv.  Aber bereits nach 7km dieses Gefühl das ich langsamer werde und nichts dagegen tun kann.  Es ist unangenehm, der Kopf wird müde und leer. Ich will mich einfach hinlegen, mir fehlt die Konzentration. Es ist diese Hilflosigkeit, die einem überkommt, es kommt mir alles so sinnlos vor. Ich weiß, ich werde finishen, aber ich werde traurig, hilflos. Es ist kaum vorstellbar. Es ist nur ein Hobby. Aber ich durchlebe alle Gefühle, die es gibt. Freude, Angst, Hilflosigkeit,  Wut, Schwach, Stark, geliebt, usw. Es klingt vielleicht komisch, aber in einem Ironman wird dein Gehirn so stark gefordert, dass es leer wird und alle Gefühle ein leichtes haben durch zukommen. Ich zumindest spüre in diesem Rennen alle Gefühl so stark, als wenn etwas extremes sie auslöst. Beispielsweise fühle ich mich extrem Stolz, wenn mich Bekannte anfeuern.

Das meiste Rennen bin ich jedoch in einem Tunnel, das erstemal in einem Rennen muss ich Bekannte bitten mich nicht anzufeuern. Danke das ihr es verstanden habt.

Aber das wahnsinnige ist, alles KOPFSACHE, warum sonst schaffe ich es die letzten 7km 40sekunden schneller pro km zu laufen? Es ist der Beweis: „Gewonnen und Verloren wird zwischen den Ohren.“

Ich wußte es schon immer, aber es war für mich mal wieder Beweis, auch mentale Stärke sollte man trainieren.

So.  Ich hoffe ihr habt einen kurzen Einblick in die Gefühlswelt eines Ironman bekommen. 10h Sport sind eine Grenzerfahrung, die aber einfach unbeschreiblich ist.

Achja da war ja noch eine Spendenaktion. da ich leider über 10h geblieben bin verändere ich die Rahmenbedingungen. Jede Sekunde, die ich über 10h geblieben bin werde ich 1 EUR spenden und für jede Minute der Zeitstrafe 4 EUR. D.h. 78 EUR gehen an das Kinderhaus.

Euer Orange Hat bereit für das nächste Abenteuer

2 Gedanken zu „Ironman 2017 Frankfurt“

  1. Hey Orange Hat,
    ich habe dich an besagtem Sonntag fälschlicherweise für einen holländischen Cowboy gehalten, wurde aber von Claudi schon aufgeklärt. 😉
    Wir haben dich am Sonntag drei Mal auf der Laufstrecke gesehen und ich fand es sehr interessant zu lesen, was in dieser Zeit in deinem Kopf so vor sich ging.
    Vielen Dank für den Bericht und herzlichen Glückwunsch zum Erfolg. Dein Fokus war absolut richtig eingestellt!
    Sportliche Grüße
    Schorsch

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