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PB, „schneller“ als Flo Neuschwander und Stress pur

Ein ganz besonderer Tag. Ich bin eine neue PB in Frankfurt auf dem Halbmarathon gelaufen, war „schneller“ als Florian Neuschwander und habe gelernt, dass man einfach locker bleiben muss, wenn man einen Fehler macht. Aber fangen wir vorne an. PB, „schneller“ als Flo Neuschwander und Stress pur weiterlesen

Ein platter Reifen auf dem Weg nach San Marino – Teil 3

Nachdem gestern der Wecker zu einer menschlichen Zeit klingelte, geht es jetzt wieder in den typischen Radonneur-Modus: Um 3.15 Uhr wecken, denn die Abfahrt ist um 4 Uhr.

Ob es am Bett oder an dem Liter Bier liegt, kann ich nicht sagen. Zumindest wache ich mit leichten Kopfschmerzen auf und habe platte Beine. Der Körper läuft auf Automatik und so sitze ich pünktlich um 4 Uhr wieder auf dem Rad Richtung San Marino.

Es geht über die welligen Straßen rund um den Comer See. Die Lichter strahlen. Es ist eine tolle Atmosphäre. Leider kann diese nur bedingt aufsaugen, denn das Hinterrad des Vordermann ist nur 15 cm entfernt. Ohne genervte Autofahrer sind die Tunneldurchfahrten morgens um 5 Uhr ziemlich erträglich.
Kurz vor Como geht es noch in einen Tunnel. Bis dahin war die Welt noch in Ordnung, aber kaum öffnet sich der Tunnel, kommen wir in einen Regenguss rein. Also rein in die Regenklamotten und weiter geht es. Nur keine Zeit verlieren. Der Tag wird noch lang.

Auf den Kilometern denke ich drüber nach, in den Bus zu gehen. Warum mache ich das Ganze? Immerhin habe ich noch Hawaii vor der Brust und überhaupt. Mein Nacken ist steif und alles schmerzt. Der Entschluss in Milano ins Auto zu steigen, manifestiert sich immer mehr. Bis…

Ja, bis ich einem Schlagloch vor mir nicht mehr ausweichen kann. Das Vorderrad bekomme ich noch hoch gezogen, aber das Hinterrad geht voll rein und verliert langsam Luft.

Um die anderen nicht aufzuhalten, steige ich schnell in den Bus und wechsle den Schlauch im Bus während der Fahrt. Unser guter Engel Nina hat sogar eine Kopfschmerztablette für mich. Das Ganze ist kurz vor der Einfahrt nach Mailand passiert – noch vor der Frühstückspause. So bleibe ich im Bus, bis wir die anderen erwischen.

Ein nettes Café erwartet uns. Die Croissants sind mit verschieden Füllungen vor Ort angereichert. EIN TRAUM.

Offenbar hat mir der Kaffee, das Croissant und / oder die Kopfschmerztablette geholfen. Egal was, aber ich kann wieder weiter fahren. Nächster Stopp ist Bologna in ca. 100 km, dachten wir.

Eine kleine Auswahl an Bilder von der unglaublichen SABRINA KRAL. Mehr Infos zu Ihr hier

 

Nach einigen Stunden Fahrt erscheint das erste Mal Bologna. 130km?!?!?!? Ich denke, es ging allen so. In dem Moment ist es so, als ob dir jemand einen Stecker zieht. Du bist völlig leer. Ein scheinbar nahes Ziel rückt gefühlt in weite Ferne.

Die Gruppe wird immer ruhiger und ruhiger. Es wird nur noch gefahren. Die Aufmunterung unseres Medienfahrzeug ist eine willkommene Abwechslung. Die „Fütterung“ (wir bekommen Burger und Pommes gereicht) während der Fahrt lenkt etwas ab, aber eine Pause ist unumgänglich.

Thomas hat Gnade mit uns, und wir machen bei einer Eisdiele eine kurze Pause. Lecker Eis und 30 Minuten sitzen bringen uns die Energie zurück, die wir brauchen, um auch noch die letzten 200 km zu überstehen. Es ist ein ständiger Kampf der Willenskraft. Langsam macht sich der Schweinhund bemerkbar und versucht mich zu überreden, ins Auto zu steigen.

Als Ablenkung gehe ich mit Julian an die Spitze. Wir fahren beide Aeroad von Canyon. Ein so geiles Rad hat natürlich auch einen Namen. Mein Rad heißt Fury und seines Olga.

Olga und Fury wurden genau für solche Strecken gebaut. Flach und schnell. Es sind die Räder, die uns antreiben, nach 200 km etwas Gas zu geben.

32 km/h – läuft
35 km/h – Druck auf den Beinen
37 km/h – Atmen wird schwerer
40-43 km/h – Aua!!!

10 km ballern wir an der Front mit ca. 38-40 er Schnitt durch die Po-Ebene. In enger Formation, wie zwei Kampfjetpiloten auf Speed. Hinter uns die Gang. Der Unterschied. Kampfjetpiloten müssen ihren Jet nicht durch Muskelkraft antreiben.

Es ist zwar verrückt, aber eine willkommene Abwechslung: Toll, was der Körper leisten kann. Fairerweise wissen wir beide, dass wir uns nach dieser kleinen Tempoverschärfung hinten ausruhen können. Denn der Windschatten macht doch einiges aus.

Je näher wir Bologna kommen, desto mehr wird auch wieder geredet. Die Stimmung wird wieder lockerer und bei der Einfahrt in Bologna ist die Welt wieder in Ordnung.

Pause! Fotos machen und weiter geht es. So ist zumindest der Plan, ein Gewitter zwingt uns 30 Minuten in der Arkaden von Bologna zu warten. Da der Bus mit den Klamotten außerhalb steht, verlieren wir wertvolle Minuten, um uns regenfest zu machen.

Das Ziel San Marino um 21 Uhr zu erreichen, wird unmöglich, auch wenn vorne wieder ordentlich Tempo gemacht wird. Die Durchfahrt von zwei Regenfronten trägt nur bedingt zur Erheiterung bei. Um 20 Uhr bekommen wir die Info, dass in San Marino leider kein Empfang auf uns wartet. Was aber auch verständlich ist, da unsere Ankunftszeit erst so gegen 23 Uhr sein wird.

Ich entschuldige mich hiermit offiziell bei der Gruppe: Beim finalen Anstieg war es mir nicht mehr möglich, in der Formation zu bleiben. Ich musste nach vorne oder nach hinten und alleine leiden. Nach hinten ging nicht, da sonst das Begleitfahrzeug zu weit weg von den anderen gewesen wäre. Also blieb nur vorne. Für einen Nichtradfahrer ist vermutlich schwer zu verstehen, aber für die Gruppe ist es nach 400km einfach blöd, wenn vorne einer sein Ding fährt. Und natürlich ist jeder zu dem Zeitpunkt angeschossen, dass man nicht mehr soo tolerant ist.

Trotzdem haben wir es alle gemeinsam geschafft und liegen um kurz vor 12 im Sammellager, acht Radler in einem Raum. Das beste am Schlafplatz – ICH WAR AM FENSTER 😉

In dem Sinne Keep calm & ride fast
Euer Orange Hat